„Früher einmal konnte man sie in jedem Weingarten finden!“



Hinter der Stiege Wingertstädten Im Goldberg


Auf der Bürgel Die Kreuzgewann An der Monsheimer Hohl
    Der Trullo – das rheinhessische Weinberghäuschen
    Wie die älteren unter den Weinbauern des Dorfes noch zu berichten wissen. Nur leider haben der Verfall und auch die Flurbereinigung jeher die kleinen Bauten bedroht, die ein prägendes Element in der rheinhessischen Weinlandschaft sind.
    Der Trullo blickt auf eine alte Kulturgeschichte zurück.
    In einem von zahlreichen biblischen Belegen wird beispielsweise von der Anlage eines Weinbergs mit Ummauerung und Turmbau gesprochen.
    Der Ausdruck Trullo kommt aus dem Italienischen (Mehrzahl Trulli) und ist eine Bezeichnung für die vor allem in Apulien vorkommenden steinernen Rundhäuser mit kuppelförmigem Gewölbe, obwohl diese Art von Bauten in vielen Teilen, nicht nur Europas vorkommen.
    Z.B. in der Schweiz, Irland, Skandinavien, auf den Hebriden und in Nord-Afrika.
    Um 1920 schrieb der berühmte italienische Schriftsteller Gabriel d´Annuzio:

    „Ich möchte einen Trullo erwerben, seine Kuppel innen vergolden lassen, mich auf der nackten Erde ausstrecken und so den Tod erwarten.“

    Für einen rheinhessischen Winzer wohl eher ein zweckentfremdender Gedanke.
    Hier dienten die Trullos den Weinbergsarbeitern zum Schutz vor Regen und plötzlichen Gewittern und als Schattenspender. Hier war der Ort der Ruhepausen, wo das mitge-brachte Mittagsmahl verzehrt wurde.

    Viele der Weinberghäuschen hatten noch eine zweite Funktion - ein weiteres Stockwerk, oder zumindest eine Plattform im Dachabschluss, hier war der Platz für die Weinbergschützen. Mit ihrem Überblick über die ganzen Weinberge konnten sie mit Schreckschüssen die reifen Trauben vor plündernden Vogelschwärmen schützen.Mit diesen Funktionen gab es Weinbergshäuser seit dem Mittelalter. Aus Feldsteinen errichtet haben sie Funktion, Standort und Form bis heute erhalten.Die Trullos und anderen Schutzhütten haben ihre eigene Kulturgeschichte und es lohnt sich sie zu erhalten!

    Dieses Motto wurde in die Tat umgesetzt, denn seit 2004 stehen die Flörsheim-Dalsheimer Weinbergshäuschen unter Denkmalschutz. In der Gemarkung der Gemeinde zählt man sechs der Kragkuppelbauten.

    Viele Initialen oder Jahreszahlen von Wandersburschen und Kriegsgefangenen lassen sich im Inneren der Trullos finden. In einen Trullo hat einmal ein Wingertschütz ein Gedicht in die alten Mauern geritzt, das da heißt:

    „Eines Mädchen Kuss und ein Pistolenschuss,
    sind für den Wingertschütz ein Hochgenuss!“

    Die sechs Flörsheim-Dalsheimer Trulli: